Wechseljahrbeschwerden erkennen und gezielt behandeln

21. Oktober 2026

Beschwerden in den Wechseljahren können den Alltag und die Lebensqualität von Frauen stark beeinflussen. Umso wichtiger ist es, die Symptome zu erkennen und gezielt zu behandeln. Sei dies durch eine Anpassung des Lebensstils oder durch hormonelle Therapien.

Dr. med. Kathrin Kern ist Gynäkologin und auf die Behandlung von Wechseljahrbeschwerden spezialisiert. In diesem Gastbeitrag für The Clinic erklärt sie, wie sich der weibliche Hormonhaushalt im Laufe der Wechseljahre verändert, welche Symptome auftreten können und wie sich diese behandeln lassen.


Veränderungen des Hormonhaushalts in den Wechseljahren

Östrogene sind die weiblichen Geschlechtshormone, die praktisch im ganzen Körper, auf Stoffwechsel, Schlaf, Gedächtnis, Haut, Haare und Psyche einen Einfluss haben. Der Östrogenspiegel wird massgeblich durch den Menstruationszyklus beeinflusst, insbesondere durch die Reifung der Eibläschen, den Eisprung und die anschliessende Gelbkörperphase (Lutealphase). Mit dem Eintreten der Wechseljahre stellen die Eierstöcke ihre Funktion nach und nach ein. Der Eisprung findet zunehmend unregelmässig statt. Dadurch gerät der Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht. Die entstehenden Schwankungen des Östrogenspiegels können sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen und verschiedene körperliche und psychische Beschwerden auslösen.

Davon sind nicht alle Frauen gleichermassen betroffen. Schätzungen zufolge bleibt rund ein Drittel beschwerdefrei, ein Drittel erlebt leichte und ein Drittel stärkere Symptome. Es ist nicht notwendig, bei leichten Symptomen sofort mit Hormonen zu behandeln, da es verschiedene weitere Therapieoptionen gibt. Stärkere Beschwerden sollten jedoch nicht hingenommen werden, sondern mit einer Fachperson besprochen werden. 


Symptome in und nach den Wechseljahren

Die Perimenopause beginnt typischerweise mit Mitte 40, manchmal jedoch auch deutlich früher. Ihre frühen Symptome sind leicht veränderte Zyklen, prämenstruell verstärkte Beschwerden wie Kopfschmerzen, Brustspannen und Reizbarkeit, Schlafstörungen, Gedächtnisprobleme und Stimmungsschwankungen. Der Körper muss sich an die neue hormonelle Situation adaptieren, was oft zu Müdigkeit und Erschöpfung führt.

Im Verlauf der späten Perimenopause können auch andere Beschwerden auftreten. Am häufigsten werden Hitzewallungen, Nachtschweiss, Herzrasen, Gewichtszunahme, Libidoabnahme, Muskelschmerzen oder Gelenkschmerzen genannt. 


Und nach der Menopause?

Wenn die möglicherweise turbulente Perimenopause vorbei ist, ist es Zeit für eine Bestandsaufnahme von Lebensstil und Gewohnheiten. Nach der Menopause haben unterschiedliche Faktoren, wie das Älterwerden an sich, individuelle Veranlagungen, der Lifestyle und das Gewicht einen grossen Einfluss auf den Körper. Durch den langfristigen Östrogenmangel treten auch Veränderungen auf, die zunächst oft unbemerkt bleiben, sich jedoch langfristig auf die Gesundheit auswirken können. Dazu zählen beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Osteoporose (Knochenschwund), Trockenheit der Haut und Schleimhäute sowie Veränderungen des Stoffwechsels. Ausserdem ist bekannt, dass das körpereigene Kollagen innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Menopause um ca. 30 % abnimmt. 

Wussten Sie, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache bei Frauen nach der Menopause sind? Es wird deshalb empfohlen, sorgfältig auf eine gesunde Ernährung zu achten. Als besonders geeignet gilt die mediterrane Diät bzw. Ernährungsweise um das Gewicht zu halten und Herz- Kreislaufkrankheiten vorzubeugen. Zudem sollten Blutdruck, Cholesterin- und Zuckerwerte regelmässig kontrolliert werden. 

Auch ausreichend körperliche Bewegung ist entscheidend, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Sport kombiniert aus Ausdauer- und Muskeltraining unterstützt die physische und psychische Gesundheit, schützt vor Muskelabbau und Osteoporose, ist gut für das Herz und schult das Gleichgewicht. Es ist wichtig eine Sportart zu finden, die man gerne ausübt.

Nicht zuletzt werden das Weglassen von Noxen wie Nikotin oder zu viel Alkohol, guter Schlaf und Stressabbau wichtiger. Vielleicht entdecken Sie Yoga oder Meditation für sich?


Wann ist eine hormonelle Therapie in den Wechseljahren sinnvoll?

Bei starken Wechseljahrbeschwerden oder einem erhöhten Risiko für Osteoporose kann eine Hormontherapie sinnvoll sein. Voraussetzung ist, dass keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen. Idealerweise beginnt die Behandlung in den ersten Jahren nach der Menopause.

Heutzutage werden bevorzugt bioidentische Hormone eingesetzt. Diese werden aus pflanzlichen Substanzen gewonnen und sind so verarbeitet, dass ihre molekulare Struktur unseren Hormonen entspricht. In der Regel sind dies Östradiol als Tablette, Gel oder Pflaster kombiniert mit Progesteron und evtl. Testosteron. Nicht alle Frauen dürfen (oder möchten) jedoch Hormone nehmen. Dazu braucht es immer eine ausführliche Beratung und die Präparate, deren Dosis sowie die Anwendung müssen individuell festgelegt werden.

Es gibt Hinweise, dass eine Hormonersatztherapie zusätzlich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Darmkrebs, Demenz und anderen Erkrankungen schützen kann. Eine hormonelle Therapie kann sich ausserdem positiv auf die Gewichtsregulation, Haut und Haare auswirken. Da sie den Kollagenabbau hemmt, bleibt die Haut länger straff. Bei langjähriger Hormonersatztherapie kann das Brustkrebsrisiko leicht ansteigen. Deshalb sind regelmässige Kontrollen und jährliche Absprachen mit der Ärztin oder dem Arzt über die Weiterführung der Therapie wichtig.

Falls nur Beschwerden im Intimbereich wie Trockenheit der Scheide, Schmerzen beim Verkehr oder Blasenprobleme auftreten, können intravaginal Hormonpräparate in Form von Gel, Creme oder Zäpfchen angewendet werden. Diese wirken hauptsächlich lokal und haben keine weitere Wirkung auf den Körper.

Die Wechseljahre sind eine natürliche Phase im Leben jeder Frau, verlaufen jedoch individuell. Wichtig ist, die Signale des eigenen Körpers zu erkennen und Beschwerden nicht einfach hinzunehmen. Lassen Sie sich bei Bedarf ärztlich beraten, um die für Sie passende Lösung zu finden.

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